BEZIRK VÖCKLABRUCK. Eine Massenkarambolage auf der Westautobahn gab den Anstoß: Vor 40 Jahren startete in Vöcklabruck ein Notarzt-Pilotprojekt, das die Versorgung schwer verletzter und erkrankter Menschen veränderte.
Die Fahrt ins Krankenhaus allein war nicht genug. Schwer verletzte und lebensbedrohlich erkrankte Menschen brauchten ärztliche Hilfe schon am Einsatzort. Diese Überzeugung brachte in Vöcklabruck eine Entwicklung ins Rollen, die Oberösterreichs Notfallversorgung mitprägen sollte: Am 1. Oktober 1986 nahm hier der erste Notarztwagen des Bundeslandes außerhalb von Linz seinen Dienst auf.
Ein wesentlicher Auslöser war eine tragische Massenkarambolage auf der Westautobahn im Oktober 1984. Ärzte im Bezirksausschuss des Roten Kreuzes setzten sich danach gemeinsam mit den Verantwortlichen des Rettungsdienstes für ein neues Versorgungskonzept ein. Zwei Jahre später wurde aus der Initiative ein Pilotprojekt.
Ärztliche Hilfe kam jetzt direkt zum Unfallort
Bis dahin stand im Rettungsdienst vor allem der möglichst rasche Transport ins Krankenhaus im Vordergrund. Mit dem Notarztwagen rückte die medizinische Behandlung vor Ort stärker in den Mittelpunkt.
„Plötzlich stand nicht mehr ausschließlich der schnelle Transport im Vordergrund, sondern die Frage, welche medizinischen Maßnahmen ein Mensch sofort braucht. Genau dieser Gedanke prägt die Notfallmedizin bis heute“, sagt Oberarzt Dominik Födinger, ärztlicher Leiter des Notarztdienstes Vöcklabruck.
Das Vöcklabrucker Modell wurde zum Wegbereiter für den weiteren Ausbau der Notarztversorgung in Oberösterreich. Heute stehen am Stützpunkt rund um die Uhr Notärzte und speziell ausgebildete Notfallsanitäter bereit. Betrieben wird der Dienst vom Roten Kreuz, die Ärzte kommen vom Salzkammergut Klinikum.

Für sie kann ein Alarm den Arbeitsalltag innerhalb weniger Augenblicke verändern. „Im einen Moment stehen wir im Operationssaal oder auf der Intensivstation, wenige Minuten später versorgen wir Menschen nach einem schweren Unfall, bei einem Herzstillstand oder einer komplizierten Erkrankung“, schildert Födinger.
Vom Notarztwagen zum flexibleren Einsatzfahrzeug
In vier Jahrzehnten hat sich die Ausstattung grundlegend verändert. Beatmungsgeräte, Defibrillatoren und mobile Ultraschallgeräte ermöglichen heute Untersuchungen und Behandlungen direkt am Einsatzort, für die früher ein Krankenhaus notwendig gewesen wäre.
Auch das Fahrzeugkonzept ist ein anderes: Statt des früheren Notarztwagens ist heute ein Notarzteinsatzfahrzeug, kurz NEF, unterwegs. Es bringt den Notarzt und die Ausrüstung zum Patienten, übernimmt aber selbst keinen Patiententransport. Je nach Zustand des Patienten begleitet der Arzt anschließend die Fahrt im Rettungswagen oder steht wieder für den nächsten Einsatz zur Verfügung.

„Als wir 1986 gestartet sind, war Notfallmedizin am Einsatzort in vielen Bereichen noch Neuland. Die Idee, den Arzt zum Patienten zu bringen und nicht umgekehrt, bedeutete eine echte Revolution in der Notfallversorgung. Heute zeigt sich, wie nachhaltig diese Entscheidung die Versorgung der Menschen im Bezirk verbessert hat“, sagt Gunnar Gebhartl, erster ärztlicher Leiter des Notarztdienstes Vöcklabruck.
Mehr als 30 Mitarbeiter hinter dem Blaulicht
Mehr als 30 Mitarbeiter engagieren sich heute am Notarztstützpunkt Vöcklabruck. Was bei einem Einsatz in wenigen Minuten funktionieren muss, braucht laufende Schulungen und gemeinsame Übungen.
„Die Menschen sehen das Einsatzfahrzeug, wenn es mit Blaulicht unterwegs ist. Was man nicht sieht, sind die vielen Stunden Ausbildung, Training und Vorbereitung dahinter“, sagt Joachim Feichtinger, Dienstführender des Notarztdienstes Vöcklabruck.
Zum 40-jährigen Bestehen richtet sich der Blick auch auf die wachsenden Aufgaben. „Die Einsatzzahlen steigen, die Anforderungen werden komplexer, aber wir verfügen über ein starkes Team und können optimistisch in die Zukunft blicken“, so Feichtinger.
„Hinter 40 Jahren Notarztdienst stehen tausende Einsätze und unzählige persönliche Schicksale. Für die Bevölkerung bedeutet der Notarztdienst vor allem eines: Sicherheit. Hinter dieser Sicherheit stehen Menschen, die rund um die Uhr bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Hilfe zu leisten. Dieses Engagement prägt den Standort seit vier Jahrzehnten“, so Gerald Schuster, Bezirksrettungskommandant und Bezirksgeschäftsleiter Rotes Kreuz Vöcklabruck.


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