SEEWALCHEN. Mit einem fast 50 Jahre alten Boot segelte Familie Strauch aus Seewalchen bei der Soling-EM in Norwegen. Vier-Meter-Wellen und schwere Schäden machten die Regatta zur Grenzerfahrung.
Die Soling-EM in Norwegen wurde für die Familie Strauch aus Seewalchen am Attersee zu einer echten Grenzerfahrung. Von 14. bis 19. September kämpften 23 Crews aus neun Nationen vor Grimstad um den Europameistertitel.
Moritz Strauch steuerte die AUT 43, Bruder Johannes segelte in der Mitte und Vater Bernhard am Vorschiff. Tochter Elena war auf der GER 1 am Start und erreichte mit ihrer Crew Platz 17.
Fast 50 Jahre altes Boot schwer beschädigt
Starker Wind und hohe Wellen verlangten der Crew alles ab. Schon beim Training riss das Achterstag des fast 50 Jahre alten Bootes. In der zweiten Wettfahrt folgte der nächste Schreck: Während die Strauchs im Mittelfeld lagen, riss das Vorstag. Der Mast drohte zu brechen.
„Sofort Krisenmodus. Man muss erst einmal die Situation überblicken“, erzählt Steuermann Moritz Strauch. Ein Reparaturversuch scheiterte, schließlich schleppte ein Rettungsboot die AUT 43 ab.
Am letzten Tag wagte sich die Crew noch einmal hinaus. Bei Wellen von bis zu vier Metern und weiteren Schäden am Boot entschieden sich die Strauchs jedoch zur Umkehr. „Wir wollten nichts mehr riskieren“, sagt Bernhard Strauch. Am Ende belegte die Crew Platz 22.
Vom Attersee bis an die norwegische Küste
Allein die Anreise zur Soling-EM dauerte mehr als 24 Stunden: mit Auto und Boot am Trailer bis an die Nordspitze Dänemarks und anschließend per Fähre nach Norwegen.
Trotz der Platzierung überwiegt die besondere Erfahrung. „Wir sind mental und körperlich an unsere Grenzen gegangen und haben gelernt, in kritischen Situationen zusammenzuarbeiten“, sagt Bernhard Strauch.
Auch die Rollenverteilung war ungewohnt. Auf dem Boot ist Sohn Moritz der Chef. „Das ist nicht leicht – vor allem, wenn mein Vater widerspricht, obwohl ich das Sagen habe“, sagt der Steuermann.
Für Moritz geht es nun mit dem Abschluss der österreichischen Segel-Bundesliga weiter. Sein nächstes großes Ziel ist eine Topplatzierung bei der Long Distance Challenge 2027.

