Attersee-Pegel dramatisch niedrig: Jetzt drohen Fischsterben und wirtschaftliche Schäden

Thomas Leitner
Thomas Leitner - Journalist und Redakteur
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Niedriger Wasserstand im Attersee wird zunehmend zum Problem (Foto: Tom Leitner)

ATTERSEEREGION. Der Attersee hat einen alarmierenden Tiefstand erreicht! Nur noch 80 Zentimeter zeigt der Pegel in Kammer – 64 Zentimeter weniger als vor einem Jahr. Sinkt der Wasserstand weiter, drohen schwerwiegende Folgen für die Natur, die Ager und sogar die Industrie in Lenzing.

Die anhaltende Trockenheit spitzt sich am Attersee immer weiter zu. Während die Region dringend auf ergiebige Niederschläge wartet, sinkt der Wasserstand des größten Sees Oberösterreichs weiter. Die Situation ist mittlerweile so ernst, dass nicht nur ökologische Schäden bis hin zu Fischsterben drohen. Auch die industrielle Produktion und damit Arbeitsplätze könnten bei einer weiteren Verschärfung betroffen sein.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: Am 27. Oktober 2026 lag der Pegel an der Messstelle in Kammer bei nur noch 80 Zentimetern. Ende Oktober des Vorjahres waren es noch 144 Zentimeter, Ende Februar 2026 sogar 159 Zentimeter. Damit liegt der Wasserstand derzeit 64 Zentimeter unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

Kritische Marke rückt immer näher

Besonders angespannt könnte die Situation werden, wenn der Pegel auf 59 Zentimeter sinkt. Von dieser kritischen Marke ist der Attersee derzeit nur noch 21 Zentimeter entfernt.

Bereits im August musste die Wasserrechtsbehörde eingreifen. Aufgrund der außergewöhnlichen Trockenheit wurde die Steuerung am Klauswehr durch eine einstweilige Verfügung geändert. Seither wird der Abfluss aus dem Attersee in die Ager auf 4,5 Kubikmeter pro Sekunde begrenzt.

Diese Maßnahme soll verhindern, dass der See noch schneller an Wasser verliert. Gleichzeitig muss aber auch die Ager ausreichend Wasser führen, damit das ökologische Gleichgewicht nicht gefährdet wird.

„Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation, in der wir zwischen dem Schutz des Attersees und dem Schutz der Ager abwägen müssen. Die behördlichen Maßnahmen haben uns wertvolle Zeit verschafft. Aber eines können sie nicht ersetzen: Niederschlag“, erklärt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.

Fischsterben und Produktionsausfälle drohen

Besonders brisant ist die Situation für die Ager. Nach der regulären Wehrbetriebsordnung würde die Abflussmenge bei einem Attersee-Pegel von 59 Zentimetern im Winter auf weniger als 2,2 Kubikmeter pro Sekunde zurückgehen. Die derzeitige Sonderregelung sieht hingegen bis zu dieser Pegelmarke eine konstante Wasserabgabe von 4,5 Kubikmetern vor.

Eine weitere deutliche Verringerung der Wasserführung könnte für Fische und andere Wasserlebewesen schwerwiegende Folgen haben.

Doch nicht nur die Natur ist betroffen. Auch die Wirtschaft hängt vom Wasser der Ager ab. Die Lenzing AG benötigt für ihre industrielle Produktion Kühlwasser. Sollte die Wasserführung weiter drastisch zurückgehen, könnten auch Produktionsabläufe gefährdet werden.

„Im schlimmsten Fall drohen uns nicht nur schwere ökologische Schäden bis hin zu Fischsterben. Wenn die Wasserversorgung für die Kühlung eines großen Industriebetriebs nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann, stehen auch Produktionsausfälle und Arbeitsplätze auf dem Spiel“, warnt Kaineder.

Jetzt ist dringend Regen notwendig

Der Gewässerbezirk Gmunden überwacht die Entwicklung laufend. Aktuelle Lageberichte werden an die zuständigen Behörden übermittelt. Sollte sich der Wasserstand der kritischen 59-Zentimeter-Marke weiter annähern, müssen die Experten die Situation erneut beurteilen und möglicherweise zusätzliche Maßnahmen einleiten.

Wie lange die derzeitige Regelung ausreicht, hängt wesentlich von den kommenden Niederschlägen ab. Denn solange dem Attersee weniger Wasser zufließt, als durch Abfluss und Verdunstung verloren geht, wird sein Pegel weiter sinken.

Die kommenden Wochen könnten damit entscheidend werden – für den Attersee, die Ager und die Menschen, die wirtschaftlich von diesen Gewässern abhängig sind.