SCHÖRFLING AM ATTERSEE. Eine 1.400 Meter lange Leitung, Wasser aus rund 50 Metern Tiefe und eine unterirdische Pumpstation: In Schörfling starten jetzt die Bauarbeiten für ein ungewöhnliches Projekt. Fünf Grad kaltes Tiefenwasser aus dem Attersee soll künftig helfen, die Ager an besonders heißen Sommertagen zu kühlen.
Das Prinzip klingt einfach, dahinter steckt allerdings ein aufwendiges Bauvorhaben: Statt ausschließlich warmes Oberflächenwasser aus dem Attersee in die Ager abfließen zu lassen, soll bei hohen Temperaturen ein Teil davon durch deutlich kühleres Wasser aus der Tiefe ersetzt werden.
Dafür wird eine rund 1.400 Meter lange Leitung in den Attersee verlegt. Sie reicht bis in eine Seetiefe von etwa 50 Metern. Dort wird über eine Ansaugvorrichtung Wasser aufgenommen, das nur rund fünf Grad kalt ist.
Unterirdische Pumpstation in Kammer-Schörfling
Zwischen dem Bahnhof Kammer-Schörfling und dem Agerufer entsteht dafür eine unterirdische Pumpstation. Zwei Pumpen fördern das Tiefenwasser anschließend über eine Auslaufleitung bis in den Bereich vor der Gehwegbrücke über die Ager.
Dort wird das kalte Wasser nicht punktuell in den Fluss geleitet. Mehrere kleinere Düsenrohre verteilen es gleichmäßig über die gesamte Flussbreite und geben es in Fließrichtung ab. Gemeinsam mit dem dahinterliegenden Klauswehr soll dadurch eine gute Durchmischung mit dem wärmeren Wasser erreicht werden.
Die Ansaugvorrichtung im Attersee wird mit Schutzgittern ausgestattet. Aufgrund der geringen Ansaugkraft soll sie laut Projektangaben für Fische, Fischernetze, Taucher und Boote ungefährlich sein.

Anlage läuft nur bei hohen Temperaturen
Zum Einsatz kommen soll die neue Kühlung nicht dauerhaft. Der Betrieb ist voraussichtlich nur für einige besonders heiße Tage im Hochsommer vorgesehen.
Entscheidend ist die Temperatur am Auslauf des Attersees: Erreicht das Wasser dort mindestens 24 Grad, kann kaltes Tiefenwasser zugemischt werden. Damit sollen hohe Temperaturspitzen in der Ager reduziert und insbesondere empfindliche Fischarten geschützt werden.
Wichtig für den Attersee: An der Abflussmenge ändert die Anlage nichts. Das Tiefenwasser kommt zusätzlich nicht einfach in die Ager, sondern ersetzt einen entsprechenden Teil des wärmeren Oberflächenwassers.
Bauarbeiten laufen bis ins Frühjahr 2027
Nach den Vorbereitungen und der Freimachung des Baufeldes beginnt nun im Oktober die eigentliche Bauphase. Zunächst stehen die Baustelleneinrichtung und Gründungsarbeiten für die Pumpstation auf dem Programm.
Im November und Dezember soll der Rohbau entstehen. Von Jänner bis März 2027 folgen Innenausbau und Elektroarbeiten. Parallel dazu sind für die Leitungsverlegung Schweiß- und Grabungsarbeiten notwendig.
Zwischen Februar und April sind Hinterfüllungsarbeiten und die Räumung des Bauplatzes vorgesehen. Läuft alles nach Plan, soll die Anlage im April 2027 in den Probebetrieb gehen.


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