ATTERSEE. Wasserstand Attersee: Der Pegel ist auf ein Rekordtief gefallen. Anfang September wurde sogar der bisherige Tiefstwert aus dem Jahr 2018 unterschritten. Am 8. September wurden am Pegel Kammer nur noch 83 Zentimeter gemessen. Die Folgen des außergewöhnlichen Niedrigwassers werden rund um den See zunehmend sichtbar.
Wer derzeit am Attersee unterwegs ist, kann die Auswirkungen der langen Trockenperiode vielerorts mit eigenen Augen sehen. Uferbereiche fallen trocken, Steine und Flächen kommen zum Vorschein, die normalerweise unter Wasser liegen. In der Marina Schörfling liegen bereits Boote im Trockenen. Auch für die Schifffahrt wird die Situation zunehmend zum Problem.
Neue Zahlen des Landes Oberösterreich zeigen, wie außergewöhnlich die Situation mittlerweile ist. Beim Thema Wasserstand Attersee weisen die aktuellen Messungen einen historischen Tiefstand aus. Seit der Drosselung des Abflusses über die Ager am 13. August ist der Pegel in Kammer von 94 auf nur noch 83 Zentimeter am 8. September gesunken. Fehlende beziehungsweise viel zu geringe Niederschläge lassen den Wasserspiegel trotz der bereits gesetzten Maßnahmen weiter fallen.
Rekordtief von 2018 bereits unterschritten
Besonders bemerkenswert ist der Vergleich mit früheren Jahren. Das bisherige Rekordtief von 86 Zentimetern aus dem Dezember 2018 wurde bereits am 3. September 2026 erstmals unterschritten.
Für diese Jahreszeit ist die Situation noch außergewöhnlicher. Die bisher niedrigsten Wasserstände im Tagesmittel lagen laut Land Oberösterreich an der Messstelle Kammer im Juli bei 125 Zentimetern, im August bei 112 Zentimetern und im September bei 103 Zentimetern.
Der aktuelle Wert von 83 Zentimetern liegt damit bereits 20 Zentimeter unter dem bisher niedrigsten September-Tagesmittel. Das Land bezeichnet die zuletzt gemessenen Wasserstände für diese Jahreszeit als „extrem niedrig“.
Der Hydrographische Dienst führt derzeit in Abstimmung mit dem Gewässerbezirk Gmunden Abflussmessungen am Seeauslauf beim Pegel Raudaschlsäge an der Ager durch.
Warum weiterhin Wasser in die Ager fließt
Der Abfluss vom Attersee in die Ager bleibt derzeit auf 4,5 Kubikmeter pro Sekunde eingestellt. Dahinter steckt ein schwieriger Balanceakt: Einerseits soll der niedrige Wasserstand des Attersees stabilisiert werden, andererseits benötigt auch die Ager ausreichend Wasser, damit dort keine gravierenden ökologischen Nachteile entstehen.
Ab 16. September würde das reguläre Winterregulativ eigentlich wieder eine höhere Wasserabgabe vorsehen. Aufgrund einer aktuellen einstweiligen Verfügung bleibt der Abfluss jedoch konstant bei 4,5 Kubikmetern pro Sekunde.
Bemerkenswert ist dabei eine weitere Zahl: Diese Regelung gilt bis zu einem Seepegel von 59 Zentimetern. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Land davon ausgeht, dass der Attersee tatsächlich auf diesen Wert fallen wird. Die 59 Zentimeter markieren vielmehr jenen Punkt, an dem die Wasserabgabe in die Ager deutlich reduziert würde.
Bei einem weiteren Absinken und einer entsprechenden Reduktion des Abflusses wären laut Land allerdings erhebliche nachteilige ökologische Auswirkungen in der Ager nicht auszuschließen.
Niedrigwasser verändert die Ufer des Attersees
Besonders empfindlich reagieren die Ufer- und Flachwasserzonen des Attersees. Fallen diese Bereiche trocken, können Wasserpflanzenbestände und Lebensräume von Jungfischen beeinträchtigt werden.
Bei der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck sind bereits vereinzelt Beschwerden über Geruchsbelästigungen durch zurückbleibendes Pflanzenmaterial eingegangen. Akute ökologische Auswirkungen sind nach Angaben des Landes derzeit allerdings nicht bekannt.
Für die Freiwasserzone werden aufgrund der großen Tiefe des Attersees keine Auswirkungen erwartet. Nachteilig kann sich der niedrige Pegel hingegen auf Seeeinbauten und Uferverbauungen auswirken. Ob dadurch bereits konkrete Schäden entstanden sind, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.

Schifffahrt bereits erheblich eingeschränkt
Besonders deutlich sind die Folgen des Niedrigwassers mittlerweile bei der Attersee-Schifffahrt. Nach Angaben des Landes führt die Situation bereits zu erheblichen Einschränkungen. Einige Anlegestellen können aufgrund des niedrigen Wasserstands nicht mehr angefahren werden.
Damit ist das Rekordtief längst nicht mehr nur eine Zahl auf den Messstationen. Die Auswirkungen sind rund um den Attersee sichtbar und betreffen neben sensiblen Uferbereichen auch Freizeitnutzung, Boote und Schifffahrt.
Eine nachhaltige Entspannung hängt nun vor allem vom Wetter ab. Die bisherigen Maßnahmen können beeinflussen, wie viel Wasser den Attersee über die Ager verlässt. Sie können fehlenden Niederschlag jedoch nicht ersetzen.
Seit Mitte August ist der Pegel trotz der Drosselung um weitere elf Zentimeter gefallen. Bleibt ergiebiger Regen aus, dürfte der Wasserstand am Attersee weiter sinken.





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